25 Prozent der Menschen in Bremen leben an oder unter der Armutsgrenze und
das, obwohl es zugleich zig Millionäre gibt. Über diese Problematik und
Lösungsvorschläge ging es bei einer Diskussionsrunde der Caritas im
vollbesetzten
Willehad
-Saal der Johannisschule. 80
Gäste verfolgten das Gespräch zwischen der Unternehmerin Sabine Szabo, der
Caritas-Mitarbeiterin Petra Neuhäuser, dem Bremer Sozialstaatsrat Horst Frehe
und dem Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel. Andreas Neumann von Radio
Bremen moderierte den Abend.
Der
Staatsrat für Soziales in Bremen Horst Frehe schilderte seine Vorstellung einer
inklusiven Sozialpolitik: „Wir müssen gucken: Wo werden Menschen ausgegrenzt
und wie können wir sie wieder teilhaben lassen?“ Sabine Szabo ist Inhaberin
einer Werbeagentur und ausgezeichnet für ihr Engagement zur Förderung der
Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie ist enttäuscht von der Politik, sieht
aber gerade in der sich verschlechternden gesellschaftlichen Entwicklung Grund
zur Hoffnung: „Manches muss vielleicht erst richtig schlecht werden, damit
danach etwas Neues entstehen kann. Wir müssen neue Probleme mit neuen Lösungen
bekämpfen.“
Petra
Neuhäuser fordert, konkret auf die Menschen und ihre Bedürfnisse zu gucken,
insbesondere auf Familien. Sie ist selbst alleinerziehende Mutter und berät als
Mitarbeiterin der Caritas-Erziehungshilfe Familien in schwierigen Situationen:
„Es gibt Mütter, die bekommen keinen Job, weil sie keinen Kita-Platz haben. Sie
können sich aber keinen Kita-Platz leisten, weil ihr Einkommen nicht
ausreicht.“
Der
Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel spricht ein Kernproblem in Bremen an:
„Wir können klar definieren, was die Schwierigkeiten sind. Aber Bremen kann die
Lösungen nicht bezahlen. In Anbetracht der Haushaltssituation des Landes ist
kaum noch etwas zu realisieren. Gefragt ist nicht nur eine öffentliche
Verantwortung, sondern auch eine öffentliche Finanzierung.“
Einigkeit
herrschte bei einer Bilanz der nötigen Stellschrauben. Dazu gehörten u.a. eine
gerechtere Steuerpolitik, ein für alle zugänglicher Arbeitsmarkt und eine
Reorganisation der sozialen Sicherungssysteme.
Bereits
in der Einführung hatte der Caritasratsvorsitzende Gerrit Schulte festgestellt,
dass das Solidaritätspotential abnimmt. Er zitierte den Autor Michael
Sendal
, Marktwirtschaft habe sich zur Marktgesellschaft
weiterentwickelt. Dies bekämen vor allem diejenigen zu spüren, die es aufgrund
von unterschiedlichsten Belastungen ohnehin schwerer haben als andere. Dies zum
Thema zu machen und gegen zügellosen Ökonomismus anzugehen, gehöre zum
christlichen Gesellschaftsauftrag von Caritas, deshalb habe sie diesen
Akademieabend organisiert.
Pressemitteilung
Diskussion zum Thema soziale Gerechtigkeit
Erschienen am:
30.05.2013
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