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Projekt Ausbildungswege NRW

Von Hürden zur festen Ausbildungszusage

[Jan. 2026] - Was möchte ich werden? Wie stehen meine Chancen? Wenn Jugendliche und junge Erwachsene nicht wissen, wie sie beruflich durchstarten können, dann sind sie richtig bei "Ausbildungswege NRW".

Freundliche Frau (Porträtfoto) vor Roll-Ups, die auf das Projekt Karin Strätling leitet die Beratungsstelle Jugend und Beruf von IN VIA Paderborn, die sich an an Jugendliche, junge Erwachsene und junge Eltern bis 27 Jahre wendet, die eine berufliche Perspektive suchen.privat

Das Programm "Ausbildungswege NRW" ist Teil der Fachkräfteoffensive NRW und wird mit MItteln des Landes und der Europäischen Union (ESF) gefördert. Es hilft jungen Menschen, eine passende Ausbildungsstelle zu finden. Dabei entwickeln die Ausbildungsinteressierten gemeinsam mit ihrem persönlichen Coach individuelle Ausbildungsperspektiven und suchen nach konkreten Ausbildungsangeboten. Im Kreis Paderborn setzt IN VIA Paderborn mit seinem Team das Projekt um.

Lea (16) besucht ein Berufskolleg im Kreis Paderborn, als sie auf das Projekt "Ausbildungswege NRW" aufmerksam wird. Karolina Peter von IN VIA ist in die Klasse gekommen und stellt sich und das Projekt "Ausbildungswege NRW" vor. Zunächst bedeutet dies freitags in der zweiten Stunde eine willkommene Abwechslung zum üblichen Unterricht. Lea hört nur mit einem Ohr zu, denn sie hat schon viele gute Tipps zur Berufswahl von ihren Eltern bekommen. Das nervt sie nur noch. Einen Realschulabschluss hat sie schon, wusste aber nach der Schule überhaupt nicht, was sie beruflich machen wollte. Deshalb hat sich Lea einfach an einem Berufskolleg angemeldet - auch weil ihre Eltern sie jetzt endlich mit dem Thema in Ruhe lassen. Eigentlich hat sie noch immer keinen Plan, was nach dem Schuljahr aus ihr werden soll. 
"Viele Jugendliche sehen sich mit Unsicherheiten und Herausforderungen rund um den Übergang von der Schule in den Beruf konfrontiert, die ihre Chancen auf eine erfolgreiche Ausbildung beeinträchtigen können", erklärte IN VIA-Fachbereichsleiterin Karin Strätling. "Wer sich bei uns meldet, bekommt einen erfahrenen Coach an die Seite, der alle notwendigen Schritte begleitet. Auf den Weg machen, müssen sich die jungen Leute aber selbst", ergänzt Karin Strätling.
Lea hat dann doch noch einen Termin mit Karolina Peter gemacht. Wer weiß, vielleicht gibt es ja doch noch etwas, das zu ihr passt. Außerdem hat Karolina Peter beschrieben, dass sie als Coach den ganzen Weg begleitet - von der Berufsorientierung bis zur Vermittlung in eine passende Ausbildung. Dabei arbeitet sie eng mit den Ausbildungsberater*innen der zuständigen Kammern, den Berufsberater*innen der Agentur für Arbeit und der Schule zusammen, um genau den Weg zu finden, der passt. Das klingt gar nicht so schlecht, meint Lea. Immerhin ist der erste Termin im Berufskolleg während der Unterrichtszeit. Das findet Lea praktisch.

Zeit und Vertrauen helfen

Mehrere Wochen besucht Lea regelmäßige Termine bei ihrem Coach Karolina Peter, inzwischen auch nach der Schule. Sie haben viel über Stärken und Talente und über Träume und Zukunftswünsche gesprochen. Während der Anamnesephase wurde deutlich, dass Lea beruflich noch gar nicht orientiert war, jedoch sehr viel Druck verspürte. Dieser führte dazu, dass sie sich dem Thema verschloss und sich bis zur Verweigerung zurückgezogen hatte. "Lea brauchte erst einmal Zeit und Vertrauen, um sich dem Thema wieder zu öffnen. Da kann man manchmal nicht einfach schnell eine Bewerbung schreiben und fertig!", erinnert sich Karolina Peter.  
Der Übergang von Schule in Ausbildung oder Beruf gilt als kritische Lebensphase. Individuelle Begleitung - verstanden als zielgerichtete, bedarfsorientierte Unterstützung - kann Barrieren reduzieren, die Anschlussfähigkeit erhöhen und langfristig Stabilität in Bildung und Erwerbsleben sichern. Karin Strätling: "Eine große Stärke im Programm "Ausbildungswege NRW" ist, dass wir auf die Jugendlichen ganz individuell eingehen können. So unterschiedlich die Geschichten, kulturellen und familiären Hintergründe, die Fähigkeiten, Interessen und die Zukunftsvorstellungen sind, so unterschiedlich müssen auch unsere Hilfestellungen sein". 

Logo IN VIA Diözesanverband PaderbornAuf dem Weg

Lea hat mit Karolina Peters Hilfe einen Praktikumsplatz in einer Arztpraxis gefunden. Sie haben gemeinsam Bewerbungen geschrieben und im Coaching geübt, damit sie sich traute, die Bewerbung selbst in der Praxis abzugeben. 
Lea ist inzwischen auf einem guten Weg. Sie hat mit Unterstützung mehrere Bewerbungen für eine Ausbildung als zahnmedizinische Fachangestellte geschrieben und positive Resonanzen erhalten. Zurzeit üben sie Vorstellungsgespräche. Lea freut sich auf den Eintritt ins Erwachsenenleben und hat die Telefonnummer von Karolina Peter an den Kühlschrank geheftet - für alle Fälle! 
Was heißt für uns individuelle Begleitung? Karin Strätling erklärt: "Wichtig ist eine flexible Gestaltung der Instrumente, um auf die individuellen Bedarfe der Jugendlichen reagieren zu können. Denn Wege von jungen Menschen sind häufig nicht geradlinig. Erforderlich sind eine individuelle Ansprache und eine Begleitung, die auch Umwege, Abzweigungen und Abkürzungen ermöglicht und sich an den Lebensumständen der jungen Menschen orientiert. Nicht nur berufliche Aspekte stehen im Fokus der individuellen Begleitung, auch bei privaten Herausforderungen sind die Coaches als wichtige Bezugspersonen eine erste Anlaufstelle

Einstieg in die KFZ-Werkstatt

Im Büro nebenan sitzt Olga Kroll, Coach im Programm "Ausbildungswege NRW" mit Ahmad (24). Ahmad wusste schon immer, dass er Autos reparieren möchte. In Syrien hat er das schon oft gemacht. Olga Kroll hat er kennengerlernt, als er noch eine internationale Klasse besuchte. Mit ihrer Hilfe und der Unterstützung der Berufsberaterin der Agentur für Arbeit sowie der Ausbildungsberaterin der Handwerkskammer hat er eine Werkstatt gefunden, die ihn im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung eingestellt hat. Im Sommer 2026 wird er dort seine Ausbildung beginnen. Er meldet sich regelmäßig bei Olga Kroll, wenn er Probleme hat oder sich überfordert fühlt. Sie hat ihm erklärt, wo er Sicherheitsschuhe kaufen kann, wie er mit dem Bus zur Werkstatt kommt und bereitet ihn auf Termine im Jobcenter oder Ausländeramt vor. "Ohne Frau Kroll wäre ich ganz alleine und aufgeschmissen", bringt Ahmad die Zusammenarbeit auf den Punkt. Olga Kroll wird ihn im Rahmen der "Ausbildungswege NRW" bei allen notwendigen Schritten bis zur Stabilisierung seiner Ausbildung begleiten. "Wenn Ahmad sich irgendwann nicht mehr bei mir meldet und seine Ausbildung gut läuft - dann haben wir alles richtig gemacht", freut sich Olga Kroll über den erfolgreichen Weg. 
"Wir freuen uns, dass wir mit "Ausbildungswege NRW" einen wichtigen Beitrag zur Förderung junger Talente leisten können", betont Karin Strätling. "Unser Ziel ist es, dass möglichst alle Jugendlichen die Chance erhalten, ihren individuellen Weg in den Beruf erfolgreich zu gehen und wir damit auch einen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels leisten."

(red)



Werkstattjahr  im Sozialkaufhaus

Schaufenster eines Sozialkaufhauses in Gummersbach, in dem es gebrauchte Waren zu günstigen Preisen für Bedürftige gibt. Mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes NRW wird auch das Programm „Werkstattjahr“ gefördert. Aktuell begleitet zum Beispiel der Caritasverband für den Oberbergischen Kreis zwölf Jugendliche im Sozialkaufhaus in Gummersbach.Video-Ausschnitt: Stefan Klinkhammer

Mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes NRW wird auch das Programm "Werkstattjahr" gefördert. Aktuell begleitet zum Beispiel der Caritasverband für den Oberbergischen Kreis zwölf Jugendliche im Sozialkaufhaus in Gummersbach. Neben der Anleitung in der Praxis und der Vermittlung von theoretischen Inhalten werden Sozialtrainings durchgeführt, die Ängste abbauen helfen, Kommunikation fördern und den Teamgeist stärken.

Ausbildungsreife herstellen

Im Jahresverlauf stehen Besuche bei den Ausbildungsmessen im Oberbergischen Kreis auf dem Programm und zur "Woche der Ausbildung" der Bundesagentur für Arbeit werden Aktionen durchgeführt. Ziel des Werkstattjahrs ist, Jugendliche sehr niedrigschwellig an die Ausbildungsreife heranzuführen, und sofern die jungen Menschen keinen Schulabschluss haben, diesen nachzuholen.

Jugendliche fassen Mut

Die Caritas im Oberbergischen Kreis hat es in einer sehr ländlich geprägten Region geschafft, binnen eines Jahres 75 Prozent der Teilnehmenden eine Anschlussperspektive zu ermöglichen - einige gehen in Ausbildung, andere verbessern ihren Schulabschluss weiter am Berufskolleg. Wichtig für die jungen Menschen ist, dass sie nach vielen negativen Erfahrungen wieder den Mut fassen, sich der beruflichen Zukunft zu stellen.

A. Raab

Dieser Film gibt einen konkreten Einblick.



Weitere Beiträge zum Thema "Europa" finden Sie in unserem Themendossier.

Autor/in:

  • Andrea Raab
Quelle: caritas-nrw.de
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