Mehr exzessiver Medienkonsum
Die Glücksspirale fördert das dreijährige Projekt mit insgesamt 45.000 Euro.
Unterstützung suchte zum Beispiel der 28-jährige Ben Müller. Ersten Medienkontakt (meist Computerspiele) hatte er im Alter von 5 Jahren. Nach dem Auszug von zu Hause bzw. mit dem Wechsel an die Universität nahm der Konsum stark zu. Aufgrund des Gefühls einer Überforderung zog er sich in die virtuelle Welt zurück: Dort schloss er soziale Kontakte und fühlte sich zugehörig; er bekam Anerkennung und hatte Erfolg.
"Die virtuelle Welt suggeriert eine scheinbare mühelose Befriedigung wichtiger Grundbedürfnisse", sagt Suchtberaterin Tessa Elfers. "Unendlichkeitserleben, Flow und erlebte Gemeinschaft in sogenannten Multi-Player-Spielen verleiten zu immer höheren Nutzungszeiten."
In der Beratung ging es zunächst um eine Analyse: Mit Hilfe von Mediennutzungstagebüchern dokumentierte er sein Medienverhalten. Ihm wurde klar, dass er mehr Hilfe benötigt, entschied sich für eine stationäre Rehabilitation in einer Fachklinik, die auf die Behandlung von medienbezogenen Störungen spezialisiert ist. Ziel ist ein kontrollierter Umgang mit Medien. Im Gegensatz zu vielen anderen Suchterkrankungen ist es im Lebensalltag kaum möglich, komplett auf Medien zu verzichten.
Die Beratung zum Thema exzessiver Medienkonsum nutzen auch Eltern. Sie beklagen häufig von stark steigenden Nutzungszeiten ihrer Kinder. Sobald die Corona-Verordnung Treffen in Gruppen erlaubt, sind Elterncafés zum Thema geplant. Für eine echte Veränderung ist allerdings eine Beratung der Betroffenen maßgeblich.
Laut einer Studie der DAK (aus dem Jahr 2020) nutzen 700.000 Jugendliche im Alter von 12-17 Jahren Medien riskant oder bereits pathologisch. Die Corona-Pandemie trägt dazu bei, dass Nutzungszeiten weiter steigen - nicht zuletzt weil sie Aufgaben (Schule, Universität, Arbeit) und Freizeit mit Online-Angeboten verbringen. Eine spezialisierte Beratung und entsprechende Behandlungsangebote werden wichtiger.
Die Caritas Bremen hat im vergangenen Jahr 42 Menschen zum Thema Medienkonsum beraten. Die GlücksSpirale förderte das Angebot mit rund 20.000 Euro. Die Förderung wird in den kommen zwei Jahren mit insgesamt 25.000 Euro weitergeführt werden.
Ansprechpartnerin bei weiteren Fragen:
Tessa Elfers, t.elfers@caritas-bremen.de, Tel. 0421 / 3 35 731 - 184