Rund 70 Gäste haben am Vormittag an der Jubiläumsfeier zum
100-jährigen Bestehen des Sozialdienstes katholischer Frauen
e.V. Ortsverein Bremen teilgenommen. Nach einem Festgottesdienst
mit Bischof Bode in der Propsteikirche St. Johann fand im
Willehadsaal der offizielle Festakt statt. Unter den Ehrengästen
waren die stellvertretende Bundesvorsitzende des SkF Gabriele
Hund-Martin und der Bremer Sozial-Staatsrat Joachim Schuster.
Alle Beteiligten betonten die Bedeutung des SkF in einer Zeit, in
der die Kluft zwischen Arm und Reich weiter wachse.
"Frauen können ihre sozialen Kompetenzen besser einbringen. Sie
haben einen engeren Bezug zum Leben", sagte Bischof Franz-Josef
Bode. Die Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen des SkF war für
ihn mehr als ein Pflichttermin und meinte: "Der Bischofsstab wäre
nichts ohne den Stab von Menschen, die sich für Frauen und Kinder in
Not einsetzen."
Für die erkrankte Bundesvorsitzende des Sozialdienstes katholischer
Frauen Maria Elisabeth Thoma hielt deren Stellvertreterin Gabriele
Hund-Martin aus Berlin den Festvortrag. Sie skizzierte die Entstehungsgeschichte.
Der SkF habe sich mit der Zeit verändert - wie auch
die Gesellschaft. Männer und Frauen arbeiteten nun Seite an Seite,
auf Augenhöhe. Die Kernaufgaben bleiben allerdings gleich: Frauen in
Not zu helfen.
Die Vorstandsvorsitzende des SkF Bremen Maria Nogai stellte fest,
die Angebote würden gut angenommen. Doch der Bremer Ortsverein
wolle noch mehr Menschen überzeugen. Er stehe hinter der Ideologie
von damals - 100 Jahre nach der Gründung sei die Arbeit hochaktuell.
Gerade heute in Zeiten wachsender Not und eines Abbaus des Sozialstaats.
Das griff auch der Bremer Sozial-Staatsrat Joachim Schuster auf. Er
sprach von bedrohlichen Tendenzen und lobte das gesellschaftspolitische
Engagement des SkF . Der Erfolg der Arbeit des SkF basiere auf
der Solidarität. Selbst aktiv zu werden, sei ein wesentlicher Bestandteil
des SkF .
Als vertrauensvoll und angenehm bezeichnete der Direktor des Caritasverbandes
Bremen Martin Böckmann die Zusammenarbeit mit dem
SkF . Die organisierte Arbeit des Caritasverbandes in Bremen sei erst
1917 entstanden - also sieben Jahre später. Das müsse und möchte
er - als Mann der Caritas - ein wenig neidvoll, aber ganz besonders mit
hohem Respekt anerkennen.
Auch Angehörige der Gründerin des Bremer Sozialdienstes katholischer
Frauen Josepha Erling waren zu Gast. Urenkel Hans-Christoph
Erling sagte, es sei ein besonderer Tag für ihn - auch wenn natürlich
nicht die Familie im Vordergrund stehe, sondern die Einrichtung. Seine
Großmutter habe ihm bereits viel von der Arbeit der Frauen erzählt, als
er noch ein Kind war.
Am 10. März 1910 hat Josepha Erling die Bremer Ortsgruppe "Katholischer
Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder" gegründet.
Damals bestand der Verein aus drei Frauen im Vorstand und 15 weiteren
Mitgliedern. Sie besuchten Familien, gingen in Krankenhäuser und
Gefängnisse, um zuzuhören, zu trösten und zu helfen.
Heute berät, betreut und begleitet der SkF Bremen jährlich etwa 2.500
Menschen. 68 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und knapp 30 Ehrenamtliche
unterstützen Kinder, Schwangere, allein Erziehende, Familien
und ältere Menschen. Zu den Angeboten gehören Schwangerenberatung ,
Mutter-/Vater-Kind-Kuren, die Kleiderkammer " Kleiderei im
Schnoor", das Haus Lea, die Kinderkrippe für 0 - 3-jährige in Bremen-
Hastedt sowie das Altenpflegeheim "Haus St. Elisabeth".
Die Geschichte des SkF in Bremen ist auch in einer Chronik von Wilhelm Tacke zu lesen. "Von Mutters Verein zum Sozialdienst katholischer Frauen" heißt das 140 Seiten starke Buch, das pünktlich zum Jubiläum erschienen ist. Darin schildert Tacke die Entwicklung und belegt seine Erzählungen mit zahlreichen Abbildungen von zum Teil alten Dokumenten und Fotos aus 100 Jahren.