„Experten fürs Leben“ lautet das Motto der diesjährigen Kampagne der Caritas in Deutschland, mit der sie mehr Sensibilität für die Fähigkeiten alter Menschen wecken und den Austausch zwischen den Generationen fördern möchte. Auf dem Riesenplakat am Caritas-Zentrum Bremen prangt seit dieser Woche ein Bild von einer Seniorin mit dem Satz: „Expertin für Liebeskummer sucht Ausgehhilfe“. Auf anderen werden alte Menschen als Experte für Lebensfreude oder Sonntagsbraten bezeichnet und suchen jemand, der ihnen zuhört oder ihren Rollstuhl schiebt. „Trotz altersbedingter gesundheitlicher Einschränkungen begegnen uns Senioren als Experten durch ihre Lebenserfahrung“, erklärt Martina kleine Bornhorst, Vorstand Altenhilfe der Caritas Bremen die Kampagne. „Wir möchten dieses Jahr in und für unsere fünf Pflegeheime und den Caritas-Ambulanten Pflegedienst hier in Bremen ein besonderes Bewusstsein schaffen, was unsere Bewohner und Klienten der Gesellschaft noch zu bieten haben, aber auch wo sie ehrenamtliche Unterstützung gebrauchen können.“ So sind neben der Plakat-Aktion diverse Projekte schon geplant oder in der Umsetzung, bei der Bewohner ihre Talente für junge Menschen einbringen können oder von deren Engagement profitieren: Von Besuchsprojekten zwischen Jugendlichen und Bewohnern über gemeinsame Bastelnachmittage für Jung und Alt bis hin zu einem Kochbuch, indem Bewohnerinnen ihre Geheimrezepte an jüngere weitergeben.
Die „Märchenoma“ begeistert beim Vorlesen und Erzählen die „Kleinen Trolle“
Auch das Märchenprojekt des Caritas-Altenpflegeheims St. Franziskus und des benachbarten Kindergarten „Kleine Trolle“ in Schwachhausen gehört dazu: Bewohnerinnen lesen Märchen vor und die Kinder hören gespannt zu. „Beide Seiten haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, erzählt Caritas-Mitarbeiterin Petra Schäfer. „Unsere Bewohner freuen sich über den Kontakt zu den Kindern und merken beim Vorlesen: Ich kann noch Freude schenken. Das stärkt das Selbstwertgefühl. Und die Kinder genießen, dass sich jemand Zeit für sie nimmt und von eigenen Erinnerungen berichtet. Die Berührungsängste gegenüber der älteren Generation werden abgebaut.“ Das durfte auch die 80-jährige Bewohnerin Judith Briesenick bei ihrer Premiere als „Märchen-Oma“ im Kindergarten erleben: Schon nach kurzer Zeit scharren sich die 3- bis 6-Jährigen um die Pflegeheimbewohnerin und das Märchenbuch, um gemeinsam die Bilder zu „Hänsel und Gretel“ zu betrachten. Dabei scheint es niemanden zu stören, dass das dicke Märchenbuch auf einem Rollator als Lesepult liegt. Judith Briesenik zeigt großes Geschick im Umgang mit den Kleinen, so stellt sie zwischendurch Fragen oder erklärt altertümliche Begriffe wie „Reisig“ oder das „Brotlaib“.
13 Kinder hören eine Stunde zu und verabschieden Judith Briesenick mit Winken und der wichtigen Frage: „Welches Märchen gibt es das nächste Mal?“
Weitere Informationen zur Jahreskampagne unter www.caritas-bremen.de und www.experten-fuers-leben.de